Mittwoch, 10. September 2014

LINDBERGH- Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus


Torben Kuhlmann: Lindbergh- Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus. 
Nord-Sued-Verlag. ISBN: 978-3-314-10210-3

Mäuse-Geschichten gibt es viele. Doch kaum eine vermittelt ganz nebenbei noch so viel Wissen übers Fliegen auf eine kindgerechte Art.

Lindbergh erzählt das Abenteuer einer kleinen Maus, welche sich auf die lange Reise über den Atlantik machen möchte um ihre Mäusefreunde in Amerika zu treffen. Als erstes versucht sie es auf die klassische Art und will sich am Hafen auf eines der grossen Passagierschiffe schleichen. Doch diese werden wie Festungen von den Katzen bewacht.
Die Begegnung mit einem Schwarm Fledermäuse bringt die kleine Maus schliesslich auf die Idee, den Luftweg zu versuchen. Sie beginnt Material zu sammeln und ihre eigene Flugmaschine zu bauen. Nach mehreren Fehlversuchen, einem grossen Medienrummel, welcher auch die Aufmerksamkeit der Eulen auf die kleine Maus lenkt, schafft sie es schliesslich eine flugtaugliche Maschine zu bauen und macht sich auf den Weg nach Amerika.

Illustrator und Autor Torben Kuhlmann hat sich mit seinem Erstling Lindbergh gleich auf Anhieb einen festen Platz in meinem Bücherregal ergattert. Die Aquarellbilder sind klar und detailliert, ohne überladen zu wirken. Sie führen verständlich durch die Geschichte und bieten trotzdem Raum für Entdeckungen. Der Text ist einfach und auch für lesegewandte Erstklässler bereits verständlich. Im Anhang werden die wichtigsten Pioniere der Fliegerei vorgestellt. Darunter auch der Charles Lindbergh, welcher, glaubt man der Torben Kuhlmann von keinem geringeren zu seiner Meisterleistung inspiriert wurde, als einer kleinen Maus...

Ich finde das Buch grossartig und eine wunderbare Fundgrube um ein Mensch+Umwelt Projekt zum Thema Fliegen zu gestalten. Es kann Kinder dazu anregen, eigene Flugmaschinen zu erfinden und zu entwickeln, zeigt die wichtigsten physikalischen Regeln rund ums Fliegen auf (Segeln, Thermik, Propeller, etc.) und es vermittelt auch, dass man für Freunde vieles riskiert und Gefahren auch mal offen ins Auge sieht.

Die Geschichte bietet der Nord-Sued-Verlag übrigens im gleichen Layout auch auf Englisch an. Vielleicht etwas für den Englisch-Unterricht?

 


Donnerstag, 28. August 2014

Lukas Hartmann zaubert sein neustes Kinderbuch: Mein Dschinn


Im September 2014 erscheint mit „Mein Dschinn“ ein neues Buch des Schweizer Autors Lukas Hartmann für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. Aus seinen Werken unvergessen und zum Vorlesen immer gerne gewählt, sind für mich „Die wilde Sophie“ und „Anna annA“.

Der Abenteuerroman „Mein Dschinn“ ist anders und trotzdem sehr zu empfehlen. Als Lehrperson fallen einem bereits beim ersten Lesen viele Themen auf, welche man in der Klasse aufgreifen, diskutieren und vertiefen kann.

Die Geschichte wird erzählt vom elfjährigen Lars. Eine Reihe von tragischen Ereignissen führen dazu, dass er im Knabenheim landet. Dort hat er Mühe, sich den Regeln des neuen Gruppenleiters anzupassen. Er beschliesst daher zu flüchten und sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Mutter zu machen. Mit ihren Briefen im Hosensack und guter Hoffnung, dass sich in schwierigen Situationen schon noch alles zum Guten wenden wird, macht er sich auf den Weg. Bereits nach kurzer Zeit ist er völlig durchnässt. Zum Glück hält Kol mit seinem Lieferwagen an. Kol ist gross, trägt einen schwarzen, bodenlangen Mantel und sieht Lars’ verstorbenem Grossvater zum Verwechseln ähnlich. Was er in den kommenden Stunden mit Kol erlebt, lässt Lars vermuten, dass dieser einer der Dschinns ist, von denen Aarian, der iranische Freund seiner Mutter, ihm erzählt hatte. Fast wie durch Zauberhand reist Lars auf seiner Suche um die halbe Welt bis nach Indien. Unterwegs wird er konfrontiert mit Roma-Kindern, dem Kampf ums Überleben, Hoffnung, Enttäuschung, Drogen, Machtmissbrauch aber auch mit seiner ersten Liebe.

Ich hatte das Buch schnell gelesen, aber es hat mich lange beschäftigt. Einerseits ist es in einfachen Worten und Sätzen geschrieben. Mittelstufenkinder können es selbstständig lesen und verstehen. Besondere Worte wie zum Beispiel Katakombe werden geschickt in die Geschichte verpackt und erklärt. Andererseits regt Lars’ Suche zum Nachdenken an. Das Buch bietet sehr viel mehr als nur Lesevergnügen.

Besonders die unterschiedlichen Formen von Machtmissbrauch, welche den Lesern im laufe von Lars’ Reise begegnen bieten sich für vertiefte Diskussionen an. Welchen Formen von Machtmissbrauch begegne ich in meinem Alltag? Welche Strategien gibt es, damit umzugehen? Welche Eigendynamiken entwickeln sich diesbezüglich in fast allen grösseren Gruppen von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen? Wie entscheide ich mich, wenn meine Moralvorstellung gegen eine Handlung spricht, welche von einer Gruppe gefordert wird?

Der Drogenhandel, das kriminelle Spiel mit den Abhängigen, das Leben an der Seite eines Süchtigen, wird auf einfache, der Zielgruppe gerechten Art beschrieben. Ohne den Mahnfinger zu erheben, bringt das Buch ganz nebenbei die Gefühle und Erlebnisse der Angehörigen von Süchtigen ein. Eine gute Vorlage um sich in der Klasse mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen.

Lukas Hartmann ist mit „Mein Dschinn“ ein Buch gelungen, welches ich allen möglichen Menschen ans Herz legen kann: jungen Leserinnen und Lesern, Erwachsene, Junggebliebene, Lehrpersonen, Vorleser, Träumern ebenso wie den Realisten.